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Realität und Fiktion

Clara Henze

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Die Begriffe Realität und Fiktion begleiten die Menschen schon eine ganze Weile. Was ist unter diesen vermeintlichen Gegensätzen zu verstehen und inwiefern sind sie, die heutigen technischen Umstände bestrachtend, zu bewerten?

Mit Realität (von lat. realitas) ist allgemein das mit den menschlichen Sinnen Erfassbare um uns herum gemeint. Man könnte sie auch als Wirklichkeit oder gar Leben beschreiben. Die Fiktion (von lat. fictio) beschreibt zunächst gegensätzlich eine erdachte, also nicht real erfahrbare Welt. Jedoch sind beide Welten, die reale sowie die erdachte niemals völlig von einander getrennt zu verstehen. Und natürlich, die Fiktion würde niemals ohne eine Realität durch Menschen, die mit ihr fest verbunden sind, entstehen. Sie ist ein Gedankenkonstrukt, welches sich der Mensch als höher entwickeltes Tier, erschaffen hat, um seine Umwelt zu erweitern. Doch was vielen vielleicht nicht bewusst ist, ist dass die Fiktion die Realität noch viel stärker beeinflusst, und viel mehr bewirken kann, als Spaß und Freude durch das Flüchten in eine imaginäre Welt. Sie kann vor allem dabei helfen die reale Welt besser zu verstehen!

Interessant ist, dass in dem Bereich der Philosophie, die durch den deutschen Hans Vaihinger beschriebene „Philosophie des Als Ob“ den Begriff Fiktion von Grund auf genau so definiert: „Vaihinger beschreibt menschliches Wissen als irrtumsbehaftet und widersprüchlich und stellt die Frage, wie die Tatsache zu erklären sei, dass man ausgehend von diesen falschen Annahmen dennoch zu Richtigem gelangen könne. Vaihingers Antwort ist, dass die Annahmen eine praktisch nützliche Fiktion darstellen, und dass das Wissen folglich nur pragmatisch begründet werden könne, durch den Erfolg, der sich bei der Anwendung einstellt. Religiöse und metaphysische Ansichten und sogar die Logik seien nicht in einem objektiven Sinne wahr, da dies nicht festgestellt werden könne, stattdessen sei die Frage zu stellen, ob es nützlich sei, so zu handeln "als ob" sie wahr seien.“ (Hans Vahihinger - „Philosphie des Als Ob“, Zusammenfassung von de.wikipedia.org).

An dieser Stelle schweife ich gerne noch ein wenig aus, und fasse kurz die mir persönlich wichtigen Punkte in Bezug auf den Stellenwert von Realität und Fiktion zusammen.

Der Mensch erfährt seine Umwelt durch Sinneswahrnehmungen und wird von diesen Erfahrungen beeinflusst. Mit Aufkommen der zunächst analogen Medien und der ersten Manipulationsmöglichkeiten von bewegten Bildern (zB. Stoptrick), konnte eine fiktiv erdachte Welt aus dem Kopf herausgeholt und nun auch mit anderen Sinnen erfahrbar gemacht werden. (Kittler, S. 70/71) Menschen neigen dazu zu glauben was sie sehen. Das Auge lügt nicht, heißt es, wodurch leicht eine erdachte Realität zu einer real werdenen Fiktion umgeformt werden kann. Durch die technische Weiterentwicklungen in den folgenden Jahrzehnten, wurden solche Täuschungen immer glaubwürdiger, „bis eine Wirklichkeit nicht mehr von Nöten ist“ (Kittler, S. 69). Ein Verschwimmen von Realität und Fiktion beginnt, mit positiven wie auch negativen Folgen.

Durch die Manipulation von Codes, technischer, sprachlicher, musikalischer oder symbolischer Herkunft, lassen sich Ziele viel genauer anvisieren und unterliegen besserer Kontrollmöglichkeiten. Die Vorraussicht wird geschärft und präzisiert. Wir haben schnell gelernt damit umzugehen, uns darauf einzulassen und mit diesen Manipulationen friedlich zusammen zu leben, bzw. sie uns zu Nutze zu machen. So bedienen sich Marketingstrategien dieser Manipulationen, um dem Kosumenten ein Produkt, vor allem wenn er es nicht kennt, schmackhaft zu machen und ihn zum Kauf anzuregen. Aus eigener Erfahrung geht man da sogar so weit, dass man ein Produkt, die überzogene Anpreisung bewusst im Verstand sitzend, trotzdem kauft, einfach nur um zu schauen wie sehr die Werbung gelogen hat.

Könnte es da vielleicht einen Code im Code geben? Eine Art Wechselwirkung, die zu Folge hat, dass obwohl man sich des Marketingcodes bewusst ist, sich die Neugier auf eine andere Ebene gesetz, die wiederum bewirkt, dass man das Produkt dennoch kauft?
 Systeme, wie die ausgeklügelte Vernetzung von Marketingstrategien, wurden schon in anderen Bereichen erforscht und versucht anwendbar zu machen.

Als die Mandelbrotmengen entdeckt wurden, woraus sich Gebilde geformt haben, die Dingen aus der Natur (Pflanzen) sehr ähnelten, glaubte man eine Art Formel für die Natur gefunden zu haben. Die Dokumentation „All Watched Over By Mashines Of Loving Graces“ beschreibt sehr eindrücklich die Faszination um Cybernetic und autark funktionierende Systeme. Wissenschaftler und Forscher, wie der Brite Arthur Tansley (1871–1955) waren der Meinung, die versteckten Systeme der Natur durch Beobachtung analysiert zu haben und die daraus ermittelten Zusammenhänge („Ecosystem“) positiv für die Gesellschaft verwenden zu können.

Die Idee entwickelte sich über die Jahre weiter. In einem Experiment schloss sich eine überschaubare Gruppen von Menschen diesem Leitbild folgend zusammen und lebten in einem Hierarchielosen Verbund, was zunächst auch erstaunlich gut funktionierte. Und das Konzept erscheint zurecht Utopisch. Eine Gruppe von Menschen lebt in einem gemeinsamen Raum, ohne Hierarchie, für das System, welches sie bilden und trotzdem wird jedes Mitglied als Individuum betrachtet. Es klingt wie ein unrealisierbarer Traum bezogen auf die Gesellschaft im globalen Sinne. Das Experiment scheiterte auch bald. Dennoch haben diese Gruppen gezeigt, dass ein zunächst fiktives System, auch in der Realität funktionieren kann. Ein System, dessen Grundgedanke auf einem bereits beobachteten Realen aufbaut und in eine andere Ebene überführt wird.

An der Idee, dass hinter den Abläufen in der Natur ein festes System steht, wird nun nicht mehr festgehalten. Jedoch ist es weiterhin faszinierend, von einer natürlichen Balance zu sprechen. Die Natur und all die unzähligen großen und kleinen Ökosysteme funktionieren bewiesenermaßen nicht nach einem strengen System, jedoch lässt sich auch eine völlige Abwesenheit dessen nicht bestätigen. Natürlich extistiert eine Art von System, lebendig eben durch die natürlichen Beziehungen verschiedener Arten unter-, sowie zwischeneinander. Entgegen der alten Annahme aber, lässt sich dies nicht eins zu eins in einen stringenten Computercode übertragen. Es ist dadurch noch weit aus komplexer als wir vermutlich erahnen können und so ist es bei uns Menschen nicht anders.

Im Rahmen dieses Kurses war es mir schwer möglich noch tiefer in die Thematik einzudringen. Dennoch möchte ich mit meinem Sketch auf abstrakte Weise ein Gefühl für das vermitteln, was mich an dem Thema fasziniert.

In meinem interaktiven Sketch sieht man ein zunächst einfaches Gebilde aus Kreisen und Linien. Ist die Complexität der Gesamtheit gering, so sind einzelne Elemente gut erkennbar. Die Kreise („Case“) sollen hierbei verschiedene Aspekte der alltäglichen Welt (real und fiktiv) darstellen, die mit Hilfe von Linien („Connection“) verbunden sind. Steigert man die Complexität des Gebildes, verliert man schnell die Übersicht und kann nicht mehr nachvollziehen welcher Aspekt von welchem beeinflusst wird. Dies wird auch nicht besser, wenn man die Anordnung („Coherence“) verändert. Je mehr hinzukommt, desto komplexer wird das Ganze und desto schlechter lässt etwas zu seinem Ursprung zurückverfolgen. Als letztes kann man noch Versuchen den Blick zu verändern, indem man die Hintergundfarbe reguliert, jedoch eröffnet sich hier eine weitere Ebene der Betrachtung.


Quellen:

https://vimeo.com/73536828

http://de.wikipedia.org/wiki/Die_Philosophie_des_Als_Ob

Kittler, Friedrich - „Fiktion und Simulation“