Handout F!xMyRepublic (Langversion)

Janonymous edited this page Jun 8, 2017 · 52 revisions

Projekt: F!xMyRepublic

Über die Stille rEvolution der kollektiven Intelligenz

Dipl.-Psych. Jana Buchmann et al. (d!sco ontology network, K32)

1. Einleitung

Mit F!xMyRepublic soll der aktuelle Republik-Standard mittels neuer partizipativer Bottom-up-Verfahren (von... unten nach oben, von der Wurzel ausgehend) erweitert werden. Diese neuen Konsens-Methoden basieren auf psycho­lo­gischen Theorien des Lernen, zur Motivation und Selbststeuerung sowie zur Selbst­organi­sation, Vernunft und Messung des Gemeinwohls.

Der aktuelle Republik-Standard und das Systemische Konsensieren haben hinsichtlich...

  1. Transparenz und einer empirisch fundierten, intelligenten Selbstorganisation,

  2. den Voraussetzungen für selbstgesteuertes Lernen und hinsichtlich

  3. einer bedarfs- und vernunftsorientierten Willensbildung

an verschiedenen Stellen Verbesserungspotential.

Für Lernen und Wissenserwerb, Medienkompetenz, Motivation, Zufriedenheit und Moral­entwicklung braucht der Mensch wertschätzendes, qualitäts- und lösungsorientiertes Feed­back, und die Gesellschaft feedbackfähige Individuen und soziale Netzwerke. Es gibt bisher keine sozialen Medien, Online-Enzyklopedien, Foren und partizipativen Konsens­verfahren, die es ermöglichen, mittels virtueller Leinwand Vernunfts- und Gemeinwohl­orientierung und Info-Qualität fundiert zu messen und (via Weisheit der Vielen kollektiv) zurück­zumelden.

Wir wollen mit F!xMyRepublic transparent die Anzahl der geistigen Umdrehungen ( bzw. die „Stillen Revolutionen“) im Vorfeld einer Entscheidung steigern und mittels einer vir­tuellen Leinwand zum Lebensraum der Menschen die Qualität von Diskussionen und Entscheidungen verbessern.

Im Folgenden stellen wir euch die zentralen Grundlagen für die F!xMyRepublic-Plattform vor und einen Teil der Verbesserungen.

2. Zum Republik-Standard

Die Begrifflichkeit des Republik-Standards (RS/IST) ergibt sich bei F!xMyRepublic (FMR) durch den empirisch fundierten Vergleich des Republik-Standards mit seinen verschie­denen Erweiterungen und Verbesserungen (SOLL). Der aktuelle Republik-Stand­ard beruht auf informellen, qualitätsunspezifischen Mehrheitsentscheiden (vgl. Vereins- und Parteienrecht). Es werden dabei geschlossene Ja/Nein - Fragen und Entweder-oder-Fragen gestellt, die ohne jeglichen Bezug auf die Qualität einer Lösung oder die Eignung einer Person auf niedrigstem Informationslevel abgestimmt werden (IST/RS: schwarz-weiss-Skala versus SOLL/FMR: ~ Thermometer).

Das Mehrheitsprinzip sowie Diskussionen und Abstimmungen anhand qualitätsunspezi­fischem Schwarz-Weiss steht als Grundlage für pluralistische, partizipative oder basis­demo­kra­tische Kon­sensprozesse in der Zivilgesellschaft und der wissenschaft­lichen Community seit längerem stark in der Kritik. In Bezug auf die Probleme mit und durch quali­täts­unspezifische Mehrheitsent­scheide lassen sich folgende kritische Kern­thesen aus Literatur (z.B. Schrotta & Visotschnig 2008, Schrotta 2011 , Wehnert 2007, Asch 1951) und eigener Analyse zusammenfassen:

  • aktuelle Mehrheitsentscheide erzeugen falsche Dilemmata, haben niedrigestes Informations-/Messniveau, wirken polarisierend und desintegrierend,

  • aktuelle Mehrheitsentscheide erzeugen Win-Lose und Lose-Lose-Szenarien (Räuber-Beute-System), künstliche Konflikte und Kampflogik,

  • beruhen auf Entweder-Oder-Logik, d.h. es kann nur eine Wahrheit geben, wider­spricht Pluralismus, Entweder-oder-Logik läuft Fähigkeit zur Integration und Synthese (WinWin) entgegen.

  • Mehrheitsentscheide messen nicht den wahren Widerstand oder die Qualität einer Lösung. Qualitätsunspezifische Mehrheitsentscheide messen nicht transparent Wille, d.h. Bedarf, Passung oder die Eignung einer Person, sondern wie gut die Manipulation (von oben) funktioniert hat. Problem: Fehlen innerer Leinwand für Bedarf, Ziele, Werte & deren Pervertierung.

  • das Zustandekommen qualitätsunspezifischer Mehrheiten ist mehr von Konformitäts­zwängen, Vorurteilen, Zufällen und sachfremden Motiven geprägt als von Vernunft und Gemeinwohl. Mehrheiten bestimmen, ohne damit Vernunft und Gemeinwohl zu messen, ist wie ein Wesen ohne Kopf, das weder Glück noch Schmerz empfindet (vgl. auch Frosch im Wasserglas).

  • Aktuelle Mehrheitsentscheide bieten keinen Echtzeitschutz vor Desinformation und Werteverfall und es gibt durch mangelhafte Feedbackfunktionen im aktuellen Republik-Standard keine Rechenschaftsmittel für Grundwerte- bzw. Gemeinwohl­orien­tierung und kein selbstgesteuertes Lernen von Vernunft und Gemeinwohl.

  • Mehrheitsentsche­ide bieten ab mehr als zwei Vergleichsalternativen keinen widerspruchs­freien und fairen Vergleich von Ideen und keinen Minderheitensschutz. Entweder-oder Mehrheitsentscheide sind nicht geeignet, um freie, pluralistische, vernunft- und gemeinwohlsorientierte Konsens- und freie Willensbildungsprozesse von unten abzubilden.

  • Politikverdrossenheit kann auch daher kommen, dass Meinungsfreiheit, Chancen­gleich­heit der Ideen, Gerechtigkeit, Gemeinwohlorientierung und Bürger­nähe mit dem aktuellen Republik-Standard nicht umfassend realisierbar sind, Qualität nicht belohnt wird und kein Echtzeitschutz vor der Pervertierung zentraler, persönlicher Werte besteht.

Zur Verbesserung des Republik-Standards hin zu mehr Demokratie, freier Willensbildung und transparenter, demokratischer Selbstorganiation (SOLL) bedarf es daher...

  1. mehr bottom-up-Verfahren wie das Systemische Konsensieren mit offenen W-Fra­gen, offener Vorschlagssammlung und metrischer Widerstands­messung (in Grau­stufen),

  2. eines kooperativen, kreativen und lösungsorientierten Umgang mit Gegensätzen und Widerstand sowie

  3. einer werteorientierten Echtzeitkontrolle der Qualität von Information, Diskussion und Entscheidungen mittels universeller Kriterien für Vernunft und Gemeinwohl.

3. Systemisches Konsensieren

Das Systemische Konsensprinzip

„Konsens bedeutet die übereinstimmende Meinung von Personen zu einer bestimmten Frage ohne verdeckten oder offenen Widerspruch.“ (Wikipedia-Definition). Das Syste­mische Konsensieren ist eine partizipative Methode zur Vorbereitung konsens­orientierter Gruppen­entscheidungen und um nachhaltige Lösungen zu entwickeln und Stimmungs­bilder zu machen, indem man das genaue Ausmaß des (offenen oder verdeck­ten) Widerspruchs anhand lösungsorientierter Widerstände in Graustufen messen kann.

Die Idee hinter dem Systemischen Konsensprinzip ist, so viele Vorschläge wie möglich zu entwickeln, um die Lösung zu finden, die den geringsten Widerstand erhält. Hohe Widerstände sollen dabei auch ein hohes Konfliktpotential widerspiegeln. Beim Sys­temischen Konsensieren kommt diejenige Lösung dem Konsens am nächsten, die den geringsten Gruppenwiderstand bzw. die höchste Gesamtzustimmung erhält (siehe Abb. 1).

Abb. 1. Das Systemische Konsensprinzip. SK-Prinzip mit freundlicher Genehmigung durch isykonsens

Quelle: Institut für Systemisches Konsensieren http://isykonsens.a-bis.de/

Das allgemeine SK-Prinzip beruht auf einer freien, kreativen Vorschlagssammlung und Bewertung für die partizipative Entscheidungsvorbereitung und Konfliktmediation. Beim ursprünglichen Systemischen Konsensieren werden anschließend Gruppenwiderstände gebildet und in eine Rangfolge gebracht (Schrotta et al. 2012).

Arten des Systemischen Konsensierens

Beim Systemischen Konsensieren werden 3 zunehmend vertiefende, Verfahrensarten für Themen und Probleme unterschiedlicher Sensibilität, Komplexität und Wichtigkeit unter­schieden, das Schnell- und Auswahlkonsensieren und das vertiefte Konsensieren.

Beim Schnellkonsensieren wird ein Antrag eingebracht und statt nach Zustimmung, nach Einwänden oder Veto gefragt. Wenn keine Einwände bestehen, gilt die Lösung als konsensiert. Wenn es Einwände gibt, werden diese erfragt und dann via Auswahl­konsensieren mittels offener W-Frage alternative Lösungen gesammelt, diese mit Wider­ständen von 0 bis 10 bewertet und anhand der Gruppenwiderstände in eine Rangfolge gebracht. Beim vertieften Konsensieren kommt hinzu, dass Wiederholungen eingeplant sind, explizit Nulllösung sowie Pros und Contras gesammelt werden und, beim zweiten Durch­lauf des Verfahrens, Widerstandsanalysen zur Vorschlagsoptimierung gemacht werden.

Der Begriff Nulllösung steht für die Nichtlösung „Alles bleibt, wie es ist“ oder „Es ändert sich nichts“. Durch den expliziten Einbezug der Nulllösung kann der Widerstand zu den Lösungen im Vergleich zum IST-Zustand betrachtet werden. Man kann z.B. mit Hilfe eines Rangfolge-Bruchdiagramms die Nulllösung mit den Gruppenwiderständen der anderen Lösungen vergleichen. Dabei liegen alle Lösungen, die schlechter sind als die Nulllösung, unter der Zumutbarkeitsgrenze einer Gruppe. Damit kann man beim Systemischen Konsensieren absichern, dass man sich mit Blick auf die allgemeine Zufriedenheit nicht verschlechtert.

Dem Schnell- und Auswahlkonsensieren liegt ein 2 Phasen- bzw. ein 4-Stationenkonzept im Sinne einer Infophase mit 1. Fragestellung und 2. Vorschlagssammlung und einer Diskussionsphase mit 3. Bewertung und 4. Meinungsbild zugrunde. Dem vertieften Konsensieren haben die Entwickler des Ursprungs-SK's ein 10-stufiges Stationenkonzept zugrunde gelegt. Die letzten 3 Stufen davon beinhalten einen erneuten Durchlauf des Verfahrens, der theroetisch beliebig wiederholt werden kann (Schrotta 2011).

Das Systemische Konsensieren hat bezüglich einer intelligenten Selbstorganisation und selbstgesteuertem Lernen von Vernunft und Gemeinwohl an verschie­denen Stellen Verbesserungsbedarf. F!xMyRepublic ist diesbezüglich ein Upgrade des Republik-Standards und des Systemischen Konsensierens. Optimiert und erweitert haben wir am Systemischen Konsensieren u.a. das Stationen­konzept, genauere Definitionen für bottom-up und top-down-Verfahren, ein Minimalprogramm für zielgerichtetes Problemlösen (TOTE-Einheit), die Methode des Konsens-Cafés und die Messung von Informations­qualität, Vernunft und Gemeinwohl. In den folgenden Kapiteln beschreiben wir die Grundlagen des Upgrades mit F!xMyRepublic.

4. Mehr „Stille Revolution“ wagen

Revolution ist in der Physik/Mechatronik definiert als die Anzahl der Umdrehungen pro Zeiteinheit, um ein Brett zu bohren (Stöcker 2000).

In Bezug aufs online-unterstütze Problemlösen und Diskutieren definieren wir daher "Stille Revolution" als die Anzahl der Umdrehungen bzw. Iterationen des F!xMyRepublic-Phasenkonzepts (pro Thema, Verfahren und Diskussionskreis), um ein Problem zu lösen. Mehr stille Revolution verstehen wir synonym zu „Mehr (echte) Demokratie wagen“, also mehr bottom-up-Verfahren und vertiefte Konsensierungen mit werteorientierten Abstimmungen. Stille Revolution bezieht sich auf die kurzzeitigen Optimierungsdurchläufe pro Konsensverfahren bis ein Konsenskriterium erreicht wird. Stille Evolution bezieht sich dem gegenüber auf längerfristige Verbesserungen der Kollektiven Intelligenz und der Entscheidungsqualität bei bereichs- und organisationsübergreifender Nutzung von F!x­MyRepublic.

Damit ist die zentrale Zielsetzung von F!xMyRepublic ein Upgrade der kollektiven Intel­ligenz des Republik-Standards: Wir wollen mit F!xMyRepublic, vor allem bei wichtigen und komplexeren gesellschaftlichen Problemen, transparent und nach­voll­ziehbar die Anzahl der geistigen Umdrehungen im Vorfeld einer Entscheidung steigern und zudem deren Qualität sichern.

5. Von der individuellen zur kollektiven Intelligenz

Zentral für die Erweiterung des Republik-Standards und des Systemischen Konsensierens ist die Grundannahme, dass die Grundlagen individueller Intelligenz auf eine Gemein­schaft im Sinne eines sozialen Organismus und dessen kollektive Intelligenz übertragen werden können. Wir wollen also die Fähigkeit des Individuums, kognitive Repräsentationen von sich selbst, Problemursachen, eigenen Zielen und Erwar­tungen mit Hilfe einer Art inneren Leinwand zu bilden, technisch und formal für kleine und große Gruppen bereitstellen. Die Fähigkeit, auf einer inneren Leinwand Ziele und Prioritäten zu bilden und diese mit den tatsächlichen Ergebnissen und Folgen des eigenen Handelns abzugleichen, soll bei F!xMyRepublic auch Gruppen helfen, sich besser selbst zu organi­sieren und gemeinwohlorientierte Entscheidungen zu fällen.

In der Ursprungsform des Systemischen Konsensierens ist diese innere Leinwand zur Abbildung von Widerständen und Pluralität und zum intelligenten Problemlösen, im Vergleich zum Republik-Standard, zwar in Grundzügen schon vorhanden, jedoch nicht annähernd vollständig realisiert. Im Vorfeld der Suche und Identifikation von geeigneten Lösungen fehlt beispielsweise oft, dass überhaupt erst einmal transparent direkt gemes­sen wird, was die wichtigsten oder dringensten Probleme und Bedürfnisse einer Gruppe sind. Auch die Passung von Lösungen mit gemeinsamen Zielen und Werten wird nicht abgestimmt.

Die Abstimmung und Konsensfindung anhand von Widerständen in Graustufen beinhaltet zwar schon wesentlich mehr Informationen zur Zufriedenheit und Lösungsqualität als im Republik-Standard. Beim Systemischen Konsensieren ist die empirische Messung der Qualität einer Lösung mittels einfacher Widerstände und Zustimmungswerte jedoch immer noch intransparent und ungenau und daher fehlerbehaftet.

6. F!xMyRepublic: Upgrade des Republik-Standards, der Soziokratie und des Systemischen Konsensierens

TOTE-Einheit

Wichtige Voraussetzungen für selbstgesteuertes Lernen, Selbstregulation, intelligentes Problemlösen und nachhaltiges Handeln sind:

  1. freie Information und qualitätsorientiertes, leistungsadäquates Feedback,

  2. die realitäts- und bedürfnisorientierte Ermittlung eines Handlungsbedarfs / Ziels (T),

  3. die Optimierung, Auswahl und Durchführung von passenden Lösungsstrategien (O),

  4. wenn Bedarf gedeckt oder Ziel erreicht ist (T), die Handlung oder Diskussion zu beenden (E).

Diese Grundannahmen zum zielorientierten Problemlösen basieren auf verschiedenen empirischen Befunden und psychologischen Theorien, als auch der TOTE-Einheit (Miller et al. 1960). T-O-T-E steht für:

TEST (Vergleich von IST1 und SOLL)

OPERATE (Diskussion/Aktion initiieren zur Überwindung einer IST-SOLL Diskrepanz)

TEST (Vergleich von IST2 und SOLL)

EXIT (Diskussion/Aktion stoppen, wenn IST2 = SOLL oder wiederholen, wenn IST2 ungleich SOLL).

Intelligente Selbstorganisation in Gruppen heißt demnach, dass im Vorfeld der Entschei­dung für eine Maßnahme und die Maßnahmenplanung abgestimmt wird, was das aktuell wichtigste Problem ist, welche Merkmale und Ursachen ein Problem hat (IST), welche Ziele mit einer Problemlösung angestrebt werden (SOLL) und anschließend welches die passenste Massnahme zur Überwindung des Problems ist (OPERATE). Mit F!xMy­Republic können zudem vorher Qualitätsstandards festgelegt werden, zum Bsp. 25% Verbesserung zum IST-Zustand. Ist dieses Konsenskriterium erreicht, wird die Dis­kus­sion beendet (Exit). Wenn nicht, wird das Verfahren erneut durchlaufen.

Bottom-up und top-down

Eine innere Leinwand zu haben, auf der ein Mensch Objekte, sich selbst und seine Bedürfnisse erkennen, Wissen strukturieren, Ziele bilden, planen und mögliche zukünftige Entwicklungen simulieren kann, ist eine zentrale Grundlage der menschlichen Intelligenz (Dörner 1999). Diese innere Leinwand füllt und strukturiert sich durch ein Wechselspiel von sogenannten Bottom-Up- und Top-Down-Prozessen.

Neben der TOTE-Einheit liegt F!xMyRepublic auch eine Theorie zur selbstorganisierten Willensbildung zugrunde, die zwischen einer Phase der demokratischen Willensbildung (bottom-up) und einer Phase der diktatorischen Ziel- und Willensumsetzung (top-down) unterscheidet. Während Bottom-Up-Prozesse in einem Organismus dafür sorgen, dass dieser mit allen notwendigen Informationen über seine Innen- und Außenwelt (IST) ver­sorgt wird und unvoreingenommen neue Ziele oder neues Wissen bilden bzw. lernen kann, sorgen Top-Down-Prozesse dafür, dass via Aufmerksamkeitskontrolle bis Tunnelblick ein Ziel (SOLL) verfolgt wird bzw. ein/e Plan oder Handlung zur Zielerreichung umgesetzt wird, oder dass bereits Gelerntes (Schema oder Wissen) auf eine Situation angewendet wird (vgl. Dörner 1999, Kuhl & Quirin 2011, Piaget 1967, Tschacher 1997).

Zielorientierte Selbststeuerung (oder werteorientierte Basisdemokratie) basiert auf einem flexiblen und dynamischen Wechselspiel von Bottom-Up und Top-Down-Prozessen, wobei die willentliche Effizienz und Selbststeuerung eines Individuums final darauf beruht, dass es in der Lage ist, bottom-up sensibel Verletzung und Bedarf zu erkennen und selbst­ähnlich Ziele zu bilden und diese top-down umzusetzen und zu kontrollieren. Für die willent­liche Umsetzung persönlicher Ziele nutzt ein Individuum sein Frontalhirn – die oberste Kontrollinstanz unseres Gehirns – weswegen man hier auch von Top-Down-Prozes­sen als Voraussetzung für die Handlungsfähigkeit, Selbststeuerung und willentliche Effizienz von Individuen spricht (Kuhl & Quirin 2011).

Gemäß unserer Annahme zur Steigerung der kollektiven Intelligenz lässt sich die Unter­scheidung von Bottom-Up- und Top-Down-Prozessen auch auf die Organisation einer Gesell­schaft über­tragen. Gesellschaftliche Steuerungsprozesse des Bottom-Ups und Top-Downs stehen jedoch eher umgekehrt proportional zur freien Selbstorganisation und -steuerung des Indiviuums. In einer Gemeinschaft mit zum größten Teil vertiefenden Bot­tom-Up-Pro­zessen, wie den Upgrades der Arten des Systemischen Konsensierens, kann man von einer zunehmenden vernunftsorientierten, herrschaftsfreien Basisdemokratie mit maximalem Potential für freie, selbstgesteuerte Individuen sprechen. In einer Gesellschaft, in der jedoch vornehmlich durch Auto­ritä­ten von oben, also top-down, und ohne direkte Messung des Bedarfs diktiert wird, was Ziel und Gegenstand von Meinungsbildung und Arbeitsprozessen ist, wird das Individuum in seiner Freiheit, Selbstverwirklichung und Moralentwicklung in Richtung Diktatur zunehmend gehemmt, unter­drückt und versklavt.

Mit „F!xMyRepublic“ ist nun präzise definiert, wodurch genau sich Top-Down- und Bottom-Up-Prozesse in der kollektiven Entscheidungsfindung kennzeichnen und wann sie zum Einsatz kommen. Während Top-Down-Prozesse vor allem bei einfachen Problemen mit ein bis zwei Alternativen zum Einsatz kommen, werden zunehmend komplexere Probleme ab mehr als zwei Ursachen und Lösungsalternativen mit zunehmend intensiveren Bottom-Up-Konsensprozessen geregelt. Während sich Top-Down-Verfahren wie das Schnellkonsen­sieren1 dadurch kenn­zeichnen, dass Entscheidungen mit geschlossenen Fragen (z.B. 1 Vorschlag + Einwandsabfrage) oder beim Schnellkonsensieren2 via Entweder-Oder-Fragen herbei­geführt werden und nur mit Einwand ja/nein bzw. passt/passt nicht beantwortet werden, kennzeichnen sich Bottom-Up-Verfahren wie das Auswahl- und vertiefte Konsensieren sowie das Konsens-Café dadurch, dass offene W-Fragen gestellt werden und dar­auf aufbauend eine offene Sammlung von Lösungs­optionen und eine Bewertung der Lösungs­qualität in Graustufen erfolgt.

Alte und neue Konsensverfahren

Wir integrieren in F!xMyRepublic sowohl den aktuellen Republik-Standard als auch das Systemische Konsensieren und erweitern beide um mehr bottom-up und die Messung von Vernunft und Gemeinwohl.

Abb. 2. Eisberg-Model zur Erweiterung des Republik-Standards Abb. 1: Grafik Eisberg-Modell cc by janonymous & bestenfalls

cc by Janonymous & Bestenfalls

Bei F!xMyRepublic gibt es mit dem Upgrade der Konsensarten 3*2(a/b) Intensitäts- und Komplexitätsstufen von Willensbildungsprozessen von top-down nach bottom-up:

I.a P-Schnellkonsensieren1 (single top-down short)

  • bei 1 Alternative mit Zustimmungs- oder Einwandsabfrage, 1 Antwortoption, nur „ja, passt“ oder nur „nein, passt nicht“, ohne Nulllösung
  • Schnellkonsensieren1 ohne P-Skala, z.B. Krim-Votum, Republik-Standard

I.a'+a'' P-Schnellkonsensieren2.1 und 2.2 (top-down extended)

  • mit Entweder-Oder-Frage bei 1-2 Alternativen mit Zustimmungs- und Einwandsabfrage und P+/P- Abfrage pro Option, z.B. „ja, passt“ oder „nein, passt nicht“ (SK2.1) oder Rangfolge mit vertikaler P-Ampelskalierung (SK2.2), ggf. Pro/Contra, ohne/mit NL=Null­lösung
  • Schnellkonsensierung2 ohne P-Skala, z.B. +1/-1/unentschieden, Republik-Standard

I.b-b'' Multiples P-Schnellkonsensieren (Multiple top-down)

II.a+a' P-Auswahlkonsensieren1.1 und 1.2 (single bottom-up short)

  • ab 2+NL oder mehr als 3 Optionen mit offener W-Frage, horrizontaler P-Ampelskalierung (AK1.1) bis mehrstufiger/metrischer P-Skala (AK1.2), ggf. mit Pro/Contra (z.B. Prägnanz, Priorität oder Passung), mit Nulllösung
  • z.B. AK2 = www.konsensieren.eu ohne P-Skalen

III.a+a' Vertieftes P-Konsensieren1.1 und 1.2 (single bottom-up medium)

  • mit min. 2 Wiederholungen, offener W-Frage, horrizontaler P-Ampelskalierung (VK1.1) bis 6 metrische P-Skalen (VK1.2), Pro/Contra, Nulllösung und Wider­standsanalysen
  • Bsp.: iP7-Upgrade; vgl. AK2 www.konsensieren.eu ohne Iteration und P-Skalen

III.a'' Vertieftes P-Konsensieren2 (single bottom-up intensive)

  • Mit min. 2 Wiederholungen, offener W-Frage, bis 6+i metrische P-Skalen (VK2), Messung der Informationsqualität, Pro/Contra, Widerstandsanalysen sowie Konsens­maßstab und (Info-) Qualitätssicherung von Argumenten
  • iP7-Upgrade (ohne Personenwahl-Parameter zur Power)

II.b - III.b'' P-KonsensCafé (multiple bottom-up short, medium, intensive)

  • fast vollständiges iP7-Upgrade für multiple transparente Konsensierungen zu Teilproblemen oder Textabschnitten, z.B. für IST, SOLL, Was tun? Und Barrieren?
  • als Grundlage zur intelligenten, basisdemokratischen Selbstorganisation von Ind­ivi­duen und Gruppen, zur max. bottom-up Realisierung von TOTE-Einheit und Selbst­steuerung
  • für bottom-up-Konsensierungen von Programmen und Texten, z.B. Presse, Ver­eins­statuten, Grassroots-Bewegungscodex, basisdemokratische Manifeste, Verfas­sungen, Gesetze, Mediation, Rechtsprechung etc. etc.

Bei F!xMyRepublic ist der Übergang von einfacheren zu zunehmend intensiveren bottom-up-Verfahren präzise geregelt. Vom weniger intensiven Auswahlkon­sensieren kommt man zum vertieften Konsensieren bzw. erneuten Vorschlags- und Optimierungsrunden, wenn im Fall eines „One-Winner-Problems“ beim ersten Konsen­sierungs­durchgang mehr als zwei Alternativen gleich auf sind, und/oder wenn ein vorher festgelegter Konsens- bzw. Qualitätsmaßstab (z.B. 75% Passung mit SOLL) beim ersten Durchgang nicht erreicht wurde. Mit höherer Komplexität des Problems und dessen Zerlegung in mehrere parallele Teilfragestellungen bzw. Konsensierungen, z.B. zu: Was stört (IST)? - Welche Ziele (SOLL)? - Was tun?, kommt das Konsens-Café in Form von multiplen Bottom-Up-Konsensierungen ins Spiel.

In der praktischen Umsetzung der intensiveren Bottom-Up-Verfahren fließen jedoch auch Top-Down-Verfahren mit ein, bspw. wenn in einer Optimierungsrunde eines Wortes oder Manifestabschnitts vorerst nur eine Alternative zur Änderung ansteht. Die Grundlagen der TOTE-Einheit können dabei mehr oder weniger bottom-up und top-down ermittelt oder realisiert werden. Einzelne Schnellkonsensierungen finden also auch innerhalb der genannten Bottom-Up-Verfahren statt, sobald z.B. nur ein Optimierungsvorschlag zu einer Frage­stellung, Lösung oder sonstiger Argumentation konkret im Raum steht.

Phasen-/Stationenkonzept

Ähnlich wie beim Schnell- und Auswahlkonsensieren, legen wir allen Verfahren und Diskussionsgegenständen (Items) unabhängig von der Intensität ein Zwei-Phasenkonzept zugrunde. Dies besteht aus einer Informationsphase und einer Diskussionsphase mit jeweils mehreren Stationen, die mit zunehmender Tiefe des Konsensverfahrens zunehmend intensiver und umfangreicher werden:

I. Info-Phase

  • Topic: Frage(n) formulieren a-z (Item 1a-z)
  • Brainstorming: 1-3 Vorschläge machen oder offen sammeln (Items 2a-z)
  • o. Brainstorming': offen Vorschläge und Hintergrundinfos sammeln (Items 2+3 a-z)
  • o. Brainstorming'': offen Vorschläge, Hintergrundinfos, Stimmungsbilder und Begründungen aus vorauslaufenden Durchgängen sammeln (bzgl. Items 1-3 a-z)
  • ggf. Test: Verständnis und Informationsqualität erfragen

In der Informationsphase wird die Fragestellung formuliert, entweder in Form einer geschlossenen bzw. Entweder-Oder Frage (top-down) oder in Form einer bzw. mehreren offenen W-Frage(n) (bottom-up). Gleichzeitig oder nacheinander werden in der Informationsphase in unterschiedlichem Maße Lösungsalternativen nebst Hintergrundwissen präsentiert und gesammelt (Brainstorming) und beim vertieften Konsensieren im 2. Durchlauf vorhandene Stimmungsbilder und Widerstände analysiert.

Ein zentrales Merkmal der Infophase ist, dass besonderer Wert auf eine möglichst wertfreie Beschäftigung mit der Intention des Senders und dem Verständnis des Empfängers gelegt wird. Dabei geht es seitens des Empfängers vor allem darum, via aktivem Zuhören (Verständnisfragen, Formulierung in eigenen Worten) die Intention des Vorschlagenden oder die Gründe für den Widerstand des Senders zu verstehen und herauszufinden, inwiefern man diese richtig bzw. umfassend verstanden hat und ob ggf. weiterer Informations- und Optimierungsbedarf in Richtung Verständnis und passgenauer, prägnanterer oder progressiverer Formulierung, Gestaltung etc. besteht.

Problemlösungen, Pros und Cons und Formulierungs­vorschläge, die als unpassend, falsch oder pervertiert wahrgenommen werden, können in der Info­phase mittels aktivem Zuhören vorerst (nach außen wertfrei) idenfiziert und markiert und im nächsten Schritt in der Diskussionsphase eines Items mitgeteilt und diskutiert werden. Zuletzt wird beim P-Auswahlkonsensieren und vertieften P-Konsensieren in der Infophase die Informationsqualität abgefragt. Liegt diese unter Null, wird die Infophase item- oder personenbezogen ggf. in Richtung bottom-up vertieft.

II. Diskussionsphase

Die Diskussionsphase kann je nach Tiefe der Konsensverfahren 2 bis 5 Stationen haben, die beim vertieften Konsensieren2 auch die Diskussion und Optimierung von Unterargumenten ermöglichen.

  • ggf. Vorschläge und Argumente sortieren (z.B. nach Un-/Ähnlichkeit)
  • Diskussion: Vorschlag / Vorschläge abstimmen (Priorität/Passung)
  • o. Diskussion': Vorschlagsformulierung bewerten, optimieren, dann abstimmen
  • o. Diskussion'': Formulierung der Vorschläge und Argumente bewerten, optimieren, dann abstimmen
  • Auswertung der Ergebnisse
  • o. Auswertung' & Test: Kontrolle der Ergebnis-/Informationsqualität

In der Diskussionsphase werden Vorschläge (d.h.Nulllösung und Alternativen) ggf. sortiert, bewertet und optimiert, dann abgestimmt und ausgewertet, d.h. es wird via Priorität oder Passung ein Meinungsbild erstellt. Wird ein ggf. vorher festgelegter Standard der Ergebnis- oder Informationsqualität nicht erreicht, wird das Phasenkonzept erneut durchlaufen und die Konsensierung zunehmend vertieft.

In der Diskussionsphase beim P-Auswahlkonsensieren werden nur Prioritäten oder Ziel-Passung abgestimmt und zu einem Meinungsbild verarbeitet. Beim vertieften P-Konsensieren gibt es zusätzliche Optimierungsrunden, durch die das Phasenkonzept bis zum finalen Stimmungsbild mehrmals durchlaufen wird. Beim vertieften Konsensieren1 z.B. werden in der Diskussionsphase beim 1. Durchlauf die Lösungsvorschläge nach Ähnlichkeit sortiert, Pros und Contras gesammelt und mittels P-Kriterien hinsichtlich korrekter und prägnanter Formulierung und hinsichtlich Fortschrittlichkeit und Erfolgserwartung verbessert. Erst beim 2. Durchlauf werden dann die Bewertungen für ein finales Stimmungsbild für diejenigen Optionen eingeholt, die im Durchschnitt nicht als falsch oder unpräzise bewertet wurden.

Beim vertieften P-Konsensieren2 können zudem auch Pros und Contras diskutiert und optimiert werden. Das heißt, es können verschiedene Aktionen, z.B. Verständnisfragen, Bewertungen und Optimierungen anhand der P-Kriterien vorgenommen werden, die sich mit Begründung auf a) Fragestellung, b) Lösungsvorschläge und c) unterge­ordnete Argumente beziehen:

  • optional: Bewertung von Richtigkeit vs. Falschheit (Perver­tierung) und der Prägnanz des Arguments + ggf. Optimierung v.a. bei Durchschnitt oder Maximum < 0.
  • optional: Bewertung von Fortschrittlichkeit (Pro­gres­sivität) sowie Chancen, Risiken und Nebenwirkungen (Potential) + ggf. Optimierung bei Durchschnitt oder Maximum < 0.
  • obligatorisch: Nach der Optimierung erfolgt final die zentrale Bewertung anhand Priorität oder Passung.

Diejenigen Probleme, Ziele und Aktionen, die den geringsten qualitätsspezifischen Widerstand haben bzw. die mit den höchsten Prioritäts- und Passungswerten, kommen dem Konsens am nächsten und haben den größten Stellenwert für die Behandlung und Umsetzung in der Praxis.

Die resultierenden P-Werte aus den neuen P-Konsensverfahren können in qualitätsspezifische Mehrheitsergebnisse auf niedrigster Informationsebene runtergebrochen werden. Der Unterschied zum Republik-Standard ist dabei der, dass mit F!xMyRepublic vorher nicht künstlich polarisiert und die Qualität der Argumentation gemessen wurde, wodurch das resultierende Mehrheitsergebnis etwas über die Qualität des Abstimmungsgegenstands aussagt, also z.B. über die Passgenauigkeit oder Wichtigkeit, während qualitätsunspezifische Mehrheiten nach Republik-Standard vor allem Auskunft darüber geben, wie gut (qualitätsunabhängig) die Manipulation von oben funktioniert hat.

7. Transparente Benutzerführung

F!xMyRepublic stellt dem User eine Learning-by-Doing Anleitung und eine transparente Benutzerführung von bottom-up nach top-down zur Verfügung und unterliegt dadurch nicht den potentiellen Risiken und Nebenwirkungen des aktuellen Republik-Stand­ards.

Eine Top-Down bzw. Entweder-Oder-Diskussion wird via F!xMyRepublic transparent mit prozessualen Fehlstellen im Konvergenzprozess angezeigt, insofern derjenige, der einen Top-Down-Diskussionsprozess zu einem bestimmten Thema entwirft, 1. offene W-Fragen sowie 2. die offene Sammlung von verschiedenen Problemmerkmalen, Zielen und Lösungs­alternativen übersprungen hat als auch 3. die Skalierung auf dem niedrigsten Informations- und Messniveau gehalten wird.

Den am Prozess beteiligten Mitdiskutanten wird bei F!xMyRepublic bei Bedarf an freier, gewissenhafter Bottom-Up-Diskussion die Möglichkeit gegeben, die freiheitseinschrän­kende Art der Top-Down-Fragestellung, des vorgesetzten Problemraums und die reduzierte Vorauswahl an Lösungen zu erkennen und im Konvergenzprozess der freien Willensbildung in Richtung bottom-up zurückzuspringen.

Dabei entsteht ein extra Diskussionskreis, der jedoch später mit ähnlichen Diskussionskreisen zu gleichem Thema wieder zusammengeführt werden kann. Das ver­hin­dert, dass die Diskutanten unfreiwillig und unbewusst in ein falsches Dilemma inklusive Teile-und-Herrsche-Problematik gezwungen, in ihrer Meinungsfreiheit ausge­he­belt und ge­gen ihren Willen in Konflikte oder zum Kampf gegeneinander manipuliert werden.

Dadurch wird eine Evolution der Diskussions- und Entscheidungskultur weg von den gewohnten, reduzierenden bis verslavenden Top-Down-Prozessen und schlechteren Gewohnheiten intrans­paren­ter Top-Down-Entscheidungen hin zu freiheitlicher, bedarfs- und werteorien­tierter Basisdemokratie in kleineren bis größen Gruppen möglich - frei nach dem Motto:

#BeAware –> #HackTheSystem –> #LoadDemocracy –> #FixMyRepublic

8. Messung von Informationsqualität, Vernunft & Gemeinwohl

F!xMyRepublic ist ein flexibles, ganzheitliches Diskussions- und Bewertungssystem für basisdemokratische Willensbildungsprozesse und eine teilnehmergrößen-unabhängige, frei­heit­lich-demokratische Selbstorganisation. Als ein theoriefundierter Mess- und Modell­bau­kasten soll F!xMyRepublic Individuuen und Gruppen eine intelligente Selbst­organi­sation und eine sach-, kultur- und kontextübergreifende Messung von Ver­nunft und Ge­mein­wohl­ ermöglichen.

P steht für den Wert einer Sache oder die Valenz* eines Objekts im Lebensraum eines Menschen oder auf der virtuellen Leinwand einer Gemeinschaft und ist Ergebnis gewissenhafter, d.h. lösungsorientierter und qualitätsbezogener Abwäge-, Entscheidungs- und Handlungsprozesse. *Valenzen = P's (also P+ und P-) setzen sich nach der Feldtheorie von Kurt Lewin (1951) zusammen aus einer bestimmten Bedürfnisspannung in der Person und der Attraktivität einer bestimmten Region (auf der virtuellen / inneren Leinwand) und entsprechen dem Ausmaß der Anziehung (P+) und Abstoßung (P-) von Objekten im Lebensraum.

Die Messung von P+ und P- anhand von ganzheitlichen Vernunftskriterien (siehe Abb. 3) dient der mög­lichst genauen Messung und Optimierung einer Diskussion hinsichtlich Informations­qualität, Vernunft und Gemeinwohl. Unser Modell beinhaltet 7 P-Vernunftskriterien, verbunden mit Fragen und Abwägeprozessen, die der Mensch für gemeinwohlorientiertes Entscheiden, vernüftiges Handeln und nachhaltiges Prob­lem­lösen braucht:

Abbildung 3. Fragen zum iP7-Modell mit 2 Dimensionen des Gemein­wohls P+ und P- und 7+i Kriterien für Vernunft. Modell zur Messung von Vernunft & Gemeinwohl by Janonymous

Das iP7-Modell für Vernunft und Gemeinwohl in F!xMyRepublic besagt, dass es für nach­haltiges, gemeinwohlorientiertes Entscheiden, insbesondere bei wichtigen Problemen und Fragestellungen, intensiverer Diskussion und Konsensfindung bedarf, die sich auf verschie­dene Vernunftskriterien, wie z.B. Wichtigkeit (P3a), Genauigkeit (P1), Passung (P3), Progressivität (P2) und Potential (P6) beziehen. Dabei messen wir mit F!xMy­Republic nicht nur Widerstände, sondern konkrete Qualitäten des psychologischen Feldes bzw. des Lebensraums (Lewin 1951) einer Person oder Gruppe. Die (Veränderungs-) Motivation oder Prioritäten messen wir z.B. als zwei einander entgegengesetzte Kräfte: Dem Ausmaß der Abstoßung von einem unangenehmen IST-Zustand und dem Ausmaß der Anziehung hin zu einem angestrebten, angenehmeren SOLL-Zustand.

Die 7+1 ganzheitlichen P-Vernunftskriterien werden mit extra P-Skalen (u.a. mit seman­tischen Differenzialen von -5 bis +5 beantwortet) und sind in unserem Modell wiederum zwei gegensätzlichen Valenz- oder Gemeinwohldimensionen P+ und P- zugeordnet, die im positiven und im negativen das Allgemeinbefinden oder Gemeinwohl einer Person oder Gemeinschaft bzw. den allgemeinen Wert von Objekten auf einer inneren Leinwand widerspiegeln. P+ und P- können nach der Feldtheorie mit mehr oder weniger starker (An-) Spannung und positiven oder negativen Gefühlen einhergehen.

Abbildung 4. iP7-Modell für Gemeinwohl (G.) anhand 7+i Vernunftskriterien und 2 Dimensionen des Gemeinwohls P+ und P-.

iP7-Modell für Vernunft & Gemeinwohl by Janonymous

F!xMyRepublic enthält 6 Vernunftskriterien zur Erfassung und Optimierung der Qualität von Ideen, die wiederum 2 übergreifenden Dimensionen des Gemeinwohls P+ und P- zugeordnet sind. Zur transparenten Abbildung des Diskussionsverlaufs sind den P-Kriterien zudem unter­schied­liche Farben zugeordnet, sodass sowohl die mögliche Komplexität als auch der Verlauf der Optimierung von Argumenten übersichtlich dargestellt werden können.

Das iP7-Modell für F!xMyRepublic enthält auch eine Glücksformel. Unter Implikation der Arithmetik von Strukturgleichungsmodellen in der Psychologie lautet die dem iP7-Modell zugrunde liegende Glücksformel vereinfacht:

„Glück entsteht aus einem Meer der Möglichkeiten (P6) durch Selbstaktualisierung (i) von konkretem (P1) Fortschritt (P2) in selbstrelevanter (P3), selbstähnlicher (P4) Kraft (P5).“

Dem zugrunde liegt ein ganzheitlicher Rational-Choice-Ansatz und ein allgemein humanistisches Verständnis von Mensch, Demokratie und Gemeinwohl:

„In einer echten Demokratie strebt der Mensch gleichberechtigt, frei und solidarisch danach, Schmerz (P-) zu vermeiden und Glück (P+) zu vermehren.“

Referenzen

Astington, J.W. (2000). Wie Kinder das Denken entdecken. München, Basel: Reinhardt.

Asch, S. E. (1951). Effects of group pressure upon the modification and distortion of judgement. In H. Guetzkow (ed.) Groups, leadership and men. Pittsburgh, PA: Carnegie Press.

Dörner, D. (1999). Bauplan für eine Seele. 2. Auflage, Rowohlt Taschenbuch Verlag.

Lewin (1951). Feldtheorie in den Sozialwissenschaften. In: Carl-Friedrich Graumann 1982 (Hrsg.). Feldtheorie. Band 4. Verlag Hans Huber Bern.

Kuhl, J. & Quirin, M. (2011). Seven Steps Toward Freedom and Two Ways to Lose It: Overcoming Limitations of Intentionality Through Self-Confrontational Coping with Stress. In: Social Psychology, 42(1):74-84. Online-Ressource

Miller, G. A./Galanter, E./Pribram, K. A. (1960) Plans and the structure of behavior, Holt, Rhinehart, & Winston. New York.

Piaget, J. (1992). Biologie und Erkenntnis. Über die Beziehungen zwischen organischen Regulationen und kognitiven Prozessen, Frankfurt am Main 1992.

Schrotta, P. & Visotschnig (2009): Systemisches Konsensieren: Der Schlüssel zum gemeinsamen Erfolg, DANKE-Verlag.

Schrotta (2011): Wie wir klüger entscheiden: einfach - schnell - konfliktlösend, Styria Print.

Stöcker, H. (2000). Taschenbuch der Physik. 4. Auflage, Verlag Harri Deutsch, Frankfurt am Main.

Tschacher, W. (1997). Prozessgestalten. Göttingen: Hogrefe. Link Buchvorstellung

Visotschnig, E. & Visotschnig, V. (2016). Einführung in Systemisches Konsensieren. Online-Ressource

Wehner, B. (2007). Abschied von der Macht der Mehrheit? Online-Ressource

You can’t perform that action at this time.
You signed in with another tab or window. Reload to refresh your session. You signed out in another tab or window. Reload to refresh your session.
Press h to open a hovercard with more details.