Skip to content
Permalink
Branch: master
Find file Copy path
Find file Copy path
Fetching contributors…
Cannot retrieve contributors at this time
115 lines (76 sloc) 4.02 KB

Vergleich FV-DOSTO mit IC2000

text

Dem neuen Fernverkehrs-Doppelstockzug (FV-DOSTO) der SBB wird nachgesagt, dass es speziell im Obergeschoss mehr schüttelt und dass Fahrgästen teilweise sogar übel wird.

Im März 2019 haben wir Messungen in Fahrten zwischen Zürich Flughafen und Winterthur im IC2000 (die klassischen IC-Züge auf der Hauptstrecke St. Gallen-Genf) und dem neuen FV-DOSTO gemacht. Ziel war, die subjektiven Aussagen, welche in der Presse und Onlineforen herumgeistern, mit Fakten zu untermauern oder zu widerlegen.

Das Messinstrument ist ein Mobiltelefon Samsung Galaxy S4 Active mit einem STMicroelectronics-Beschleunigungsmesser. Dieser wurde zuerst im Stillstand beobachtet, um das Messrauschen abzuschätzen. Dies ist im Bereich von 0.05 m/s^2, genau genug, um Werte im Bereich bis 2 m/s^2 zu messen.

Die fahrplanmässige Fahrtdauer ist 12 Minuten. Die Messung startet jeweils kurz vor der Abfahrt, sodass etwa 750s gemessen wurde. 100 Mal pro Sekunde werden Beschleunigungswerte aufgezeichnet. Dies erlaubt uns, Frequenzen bis in den unteren hörbaren Bereich zu analysieren. Betrachtet wird hier die Transversalbeschleunigung (quer zur Fahrtrichtung), welche die grösste Variation zeigt.

Wir machten pro Richtung je eine Fahrt auf IC2000 (Linien IC1 und IR75) und FV-DOSTO (Linien IR13 und IR37).

FV-DOSTO schüttelt doppelt so stark

Die Resultate sind klar: Der FV-DOSTO schüttelt tatsächlich etwa doppelt so stark wie der IC2000. Quantifiziert kann das mit der sogenannten Totalen Variation der Beschleunigung. Diese ist ein Mass für die Änderung einer Grösse über eine gewisse Zeit (z.B. die Dauer der Zugfahrt) und damit für das Schütteln.

In der Folge sehen wir uns die zwei Fahrten von Winterthur nach Flughafen an. Die Messungen in die Gegenrichtung sind im git-Repository enthalten und qualitativ sehr ähnlich.

Zeitbereich

Bereits ein erster Blick auf die Plots zeigt offensichtliche Unterschiede.

Winterthur-Flughafen im IC2000:

text

Winterthur-Flughafen im FV-DOSTO:

text

Sehen wir uns die Einfahrt im Flughafen im Detail an. Hier wird deutlich, dass die Oszillationen im FV-DOSTO mindestens doppelt so gross sind wie im IC2000.

Einfahrt Flugafen im IC2000: text

Einfahrt Flugafen im FV-DOSTO: text

Frequenzbereich

Wir haben uns auch für die Schwingungsfrequenzen interessiert. Interessant ist vor allem der Bereich zwischen 1Hz und 20Hz, denn was darüber liegt, wäre bereits hörbar.

Winterthur-Flughafen im IC2000:

text

Winterthur-Flughafen im FV-DOSTO:

text

Audio

Die Analysesoftware erlaubt es, die Beschleunigungsmessung in eine Audiodatei umzuwandeln, wobei die Zeit schneller läuft um das Schütteln des Zuges hörbar zu machen.

So hört sich der IC2000 an

Und so der FV-DOSTO

Hier läuft die Zeit 160 mal schneller, sodass sich die 'Fahrzeit' auf etwa 4s verkürzt.

Beim FV-DOSTO hört man deutlich die Töne, die im Frequenzplot bei ca. 12Hz und 24Hz sichtbar sind.

Ausblick

Eine unvollständige möglicher zukünftiger Fragestellungen:

  • Messungen anderer Doppelstockkompositionen wie Stadler KISS, Siemens
  • Messung der ICN-Kompositionen (diese haben auch einen Ruf als 'trains vomitaux')
  • Messungen im IC2000 und FV-DOSTO im unteren Stockwerk
  • Woher stammen die 12Hz-Schwingungen im FV-DOSTO?
  • Welchen Einfluss hat die FV-DOSTO Wankkompensation?
  • Messungen auf anderen (längeren) Strecken
You can’t perform that action at this time.