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michael-hochgartz committed Jun 21, 2019
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Eine ernsthafte wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Leben und Werk Johann Sebastian Bachs ist ohne Deutschkenntnisse nicht vorstellbar. Wer nicht einmal die Sekundärliteratur im Original lesen kann, scheitert spätestens an den Primärquellen wie dem "Erdmann-Brief". Vom theologischen Dunkeldeutsch der Kantatentexte ganz zu schweigen.

Exkurs: Ein abschreckendes Beispiel für akademisches Dünkeldeutsch: "*Das philologische Lesen ist selbstverständlich offen für neues Erkenntnisinteresse und neue Fragen, aber es setzt Fertigkeiten doch zwingend voraus, die in der Begeisterung der Institutionen für Inter- und Transdisziplinarität verlorenzugehen drohen. Die nur vermeintlich banalste: Wer mit Lust Vitruv oder Sueton lesen will, muss Latein können, und das recht gut.*" [www.faz.net](https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/hoch-schule/geist-und-mehr/die-grosse-mommsen-tagung-der-altertumsforscher-in-berlin-16230545-p2.html)

Vice versa: Die Lektüre der englischen Erstausgabe der Bach-Biographie von Sir John Elliot Gardiner habe ich nach wiederholten Anläufen entnervt aufgegeben. Das Streben nach Verständnis der innovativen, gelegentlich auch angenehm britisch-skurrilen Sichtweisen des Autors wurde immer wieder konterkariert durch die meist vergebliche Suche nach angemessenen Übersetzungen für das intrikate Vokabular. Auch die parallele Nutzung der tumben englischen Hörbuchfassung stiftete mehr Verwirrung als Erhellung. Erst die kongeniale, offenbar mit Fördermitteln beförderte deutsche Übersetzung durch Richard Barth ermöglichte mir ein nachhaltiges Verständnis von Sinn&Form dieser erhellenden Publikation.

Weiterhin: Wunderbar wohltuend die englische Übersetzung des Kantatenhandbuchs von Alfred Dürr. Wer die typische, scheinbar irrelevante Nebengedanken geschmeidig einarbeitende Argumentationsweise des Autors im Original kennt, wird die englischsprachige Übersetzung nicht nur deshalb als Hauptarbeitsmittel auf den digitalen Schreitisch legen, weil sich der Originalverlag bis heute gegen eine Veröffentlichung als eBook zu sperren scheint. Neben dem praktischen Nutzen (Volltextsuche; zerstörungsfreie, vielleicht gar "teilbare" Anmerkungen) ist es ein nachhaltiger Leselustgewinn, den feinen Nuancierungen nachzuspüren, mit denen Richard Jones die Argumentationsstränge Dürrs nachmodelliert.

Endlich: Albert Schweitzers Bach-Biographie entsprang der zunächst hohen musikpädagogischen Absicht, um 1900 Pariser Organisten wie Widor und Vierne die poeto-theologische Substanz der textgebundenen Kompositionen Bachs in ihrer Muttersprache zu vermitteln. In der deutschen Fassung aus der - nicht selten von Schreibkrämpfen geplagten - Hand des Verfassers ist daraus jene, Anfang der 1970er Jahre vom Taschengeld finanzierte "Einstiegsdroge" entstanden, die mir mit 14 Jahren den ästhetischen und wissenschaftlichen Zugang zu Leben, Werk und Umwelt J.S. Bach eröffnete. Wenige Wochen später lag dann der - in Teilen philologisch, keineswegs aber musik- und sprachästhetisch obsolete "Spitta" auf meinem Schülerschreibtisch - und das Schicksal nahm seinen Lauf.

*Copyright Michael Hochgartz, D-48153 Münster, 2015-2019*

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