Das Tanzparkett

stefaneidelloth edited this page Nov 26, 2017 · 11 revisions

Einige Tänze

Einleitung

Bei Seminaren zur Gewaltfreien Kommunikation nach Marshall Rosenberg werden öfters große Papierkarten auf den Boden gelegt um die Vier Schritte zu üben. Dabei bewegt sich eine Person von Karte zu Karte und wird so durch einen inneren Prozess oder ein Rollenspiel geführt.

Bridget Belgrave and Gina Lawrie haben diese Methode Tanzparkett getauft und jahrelang verfeinert. Mittlerweile gibt es eine Ganze Reihe an Tänzen zu unterschiedlichen Themen, Anleitungs-DVDs und Übersetzungen des Tanzparketts in vielen Sprachen:

http://nvcdancefloors.com

Ich kann mich z. B. neben die Beobachtungskarte stellen und meine Beobachtung formulieren. Dann gehe ich einen Schritt weiter zur Gefühlskarte und sage wie ich mich fühle. Wenn ich dabei merke, dass ich doch noch etwas zur Beobachtung sagen möchte, gehe ich wieder einen Schritt zurück usw. Die räumliche Trennung der Karten hilft dabei, den inneren Prozess extern zu visualisieren und klarer zu strukturieren.

Die vier Schritte können genutzt werden um

  • Mich mit mir selbst zu verbinden ("Es ist 1 geschehen. Bin ich 2 weil ich 3 brauche? Bin ich bereit 4?")
  • Mich gegenüber jemand anderen auszudrücken ("Ich habe 1 gesehen. Ich fühle mich jetzt 2 weil ich 3 brauche. Wärst du bereit 4.?)
  • Jemand anderen zuzuhören ("Du hast gesagt 1 Bist du 2 weil du 3 brauchst und möchtest 4?")
Als erster Schritt braucht es oft eine Wolfsshow (Bewertungen, Diagnosen,...,anschauen). Eine Wolfsshow-Karte plus 3x4 Schritte ergibt dann 13 Karten auf dem Boden. Um ein Rollenspiel zwischen zwei Personen abzubilden können gar 26 Karten auf den Boden gelegt werden. Marshall Rosenberg bezeichnete die Unterhaltung zwischen zwei Menschen manchmal als Giraffentanz und die Papierkarten auf dem Boden können tatsächlich als eine Tanzanleitung verstanden werden.

Oft verläuft ein innerer Prozess nicht einmal gerade aus vom Anfang bis zum Ende. Statt dessen ergeben sich Choreographien die kreuz und quer oder iterativ verlaufen. Ich war schon mal bei der Bitte, bin dann aber wieder zurück zur Wolfsshow gesprungen und habe nochmal von vorne angefangen, da sich herausgestellt hatte dass das eigentliche Thema ein anderes war. :) Es ist also manchmal eher ein Tanz als ein Spaziergang von A nach B.

Hier ist eine Liste von Tänzen die auf der Internetseite von Bridget Belgrave and Gina Lawrie aufgeführt wird:

  • Innen-Außen-Tänze
    • 13-Schritte
    • Integration und Verbindung
    • Flüssigkeit-im-Dialog
    • Respekt für mich, Respekt für dich
  • Innen-Tänze
    • Selbsteinfühlungstanz
    • Der Ärger/Scham-Tanz
    • Erzieher/Entscheider-Tanz
    • Ja/Nein Tanz
    • Den Schmerz unerfüllter Bedürfnisse in die Schönheit der Bedürfnisse umwandeln
Übersichtsvideo dazu: https://www.youtube.com/watch?v=OxLjbeaQ-xM

Je nachdem worum es geht lässt sich auch eine ganz individuelle Landkarte auf den Boden legen. Es können quasi alle hier vorgestellten Modelle einbezogen werden und der Kreativität für weitere Karten und neue Choreographien sind keine Grenzen gesetzt.

Um die Wolfsshow differenzierter anzuschauen können z. B. zur Unterstützung die Ohrenkarten ausgelegt werden:

  • Wolfsohren nach außen
  • Wolfsohren nach innen
Um mehrere Bedürfnisse eines inneren Teams oder zu einem Wertequadrat anzuschauen können mehrere Bedürfniskarten ausgelegt werden, z.B:
  • Bedürfnis des inneren Kindes <=> Bedürfnis des Erwachsenen
  • Bedürfnis des Bildungsministers <=> Bedürfnis des Handlungsministers
  • Hauptbedürfnis <=> Geschwisterbedürfnis im Wertequadrat
(Es ist allerdings sinnvoll sich auf max. zwei-drei Bedürfnisse pro Tanz einzuschränken. Sonst wird es zu unübersichtlich.)

Um die Bitte differenzierter anzuschauen kann sie in mehrere Karten aufgeteilt werden, etwa:

  • Handlungsbitte/Lösungsbitte ("Magst du mir jetzt sagen ob du bereit bist morgen den Müll raus zu tragen?")
  • Verbindungsbitte/Beziehungsbitte ("Wie fühlst du dich gerade?")
  • Verständnisbitte ("Kannst du mir bitte erklären wie ein Kühlschrank funktioniert?")
  • Bitte an jemand anderen
  • Bitte an mich selbst
  • Bitte um von hier aus konkret weiter zu kommen ("Ich bitte mich selbst, mich noch heute zum GFK-Aufbaukurs anzumelden.")
Wenn diese Konzepte noch neu sind ist es erst mal einfacher sich auf die bewährten Tänze zu verlassen und einen Tanzkurs in Form eines GFK-Seminars zu besuchen. Durch die Begleitung einer erfahrenen GFK-Trainerin ist dann sichergestellt dass man sich beim Tanzen nicht auf die eigenen Füße tritt.

Den eigenen Körper von Karte zu Karte zu bewegen kann sehr wirkungsvoll sein. Wenn allerdings nicht so viel Platz zur Verfügung steht kann auch ein Spielfeld auf einen Tisch gelegt und mit einer Spielfigur getanzt werden. Für diesen Zweck gibt es hier die kostenlosen GFK-Symbolkarten, die viele Aspekte der Gewaltfreien Kommunikation abdecken. Zusätzlich zu den vier Schritten gibt es Karten zum inneren Team usw.

So bald ein Tanz erst einmal verinnerlicht wurde braucht es das Spielfeld vielleicht nicht mehr. Ein Prozess kann dann allein in der Vorstellung getanzt werden. Es ist allerdings schön Prozesse in einer Übungsgruppe zu teilen. So kann man von den Erfahrungen der anderen profitieren, neue Pfade erkunden, sich gegenseitig unterstützen und miteinander Spaß am Tanzen haben.

Ich erkläre hier einige Tänze die ich bereits selbst bei GFK-Seminaren getanzt habe. Den Tanz zu Glaubenssätzen durfte ich z. B. bei Georgis Heintz kennenlernen und der ist bei den Tänzen von Bridget Belgrave and Gina Lawri glaube ich nicht enthalten.

Das Tanzparkett wird genutz um Prozesse einer Person oder die Interaktion zwischen zwei Personen zu begleiten. Um Beziehungssystem aus mehreren Personen anzuschauen könnte auch ein Systembrett oder die Familienaufstellung nützlich sein.


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