Große Regelkreise

stefaneidelloth edited this page Dec 10, 2018 · 4 revisions

Wie schon unter Kleine Regelkreise beschrieben, stellen die γ-Neurone den Sollwert für die Muskelspindeln ein. Das Eingangssignal für die γ-Neurone ist im Rückenmark vielfältig verschaltet, sowohl mit den Signalen innerhalb eines Segments als auch mit Signalen des Nervensystems auf "höheren Ebenen" und dem Gehirn.

Schema nach Hoffa-Gocht-Storck: "Technik der Massage" (etwas abgewandelt):

Beeinflussung des Sollwertes

Leider können wir das Eingangssignal der γ-Neuronen nicht auf Knopfdruck verstellen. Um bei der Körperarbeit die Muskelspannung über das Eingangssignal der γ-Neuronen zu beeinflussen, bleibt uns der Umweg über das vegetative Nervensystem. Alles wass allgemein beruhigend und entspannend wirkt, senkt auch den Sollwert der Muskelspindeln. Umgekehrt wird der Sollwert für die Muskelspannung z. B. angehoben durch

  • Abkühlung
  • Schmerz- und Berührungsreize
  • optische und akustische Reize
  • emotionale Erregungen
Die Synthese aller Einflüsse findet im Hirnstamm statt.

Nach Hoffa, Gocht, Storck ist die Hauptaufgabe der Muskelspindeln vegetativer Natur. Die Muskelspindeln sind nötig, um die Ruhespannung der Muskulatur Inwelt- und Umwelteinflüssen entsprechend einzustellen:





Fremdreflexe

Bei Reizung der Haut nimmt die Aktivität der γ- und α-Neuronen gleichsinnig zu oder ab. Die Neuronen können sogar so stark erregt werden, dass eine sichtbare Muskelkontraktion erfolgt. Da der Reiz von der Haut ausgeht und auf den Muskel wirkt, wird der Hautreflex zu den Fremdreflexen gezählt.

  • Beim Eigenreflex werden die zugehörigen α-Neurone aktiviert und die γ-Neuronen gehemmt.
  • Beim Fremdreflex werden α- und γ-Neurone dagegen gleichsinnig angesteuert. Normalerweise sprechen die γ-Neurone zuerst an, da sie eine geringere Reizschwelle haben. Das hebt über den Eigenreflex die Aktivität der α-Neurone an, die dann etwas später auch ansprechen.
  • Fremdreflexe bahnen meistens die Beugung, während die Streckung gehemmt wird. Die Wirkung auf Agonisten und Antagonisten ist also unterschiedlich.
  • Bei Hautreizung auf nur einer Körperseite werden auf der anderen Körperseite umgekehrte Erregungsverhältnisse angetroffen. Wenn die Kontraktion des linken Bizeps gebahnt und des linken Trizeps gehemmt wird, wird die Kontraktion des rechten Bizeps gehemmt und des rechten Trizeps gebahnt.
Wenn während einer Massage der Hautreiz den "eng begrenzten Einzugsbereich eines Fremreflexes" verlässt, sinkt die Aktivität der zugehörigen γ-Neurone. Schließlich nimmt auch die Aktivität der zugehörigen α-Neurone und die Kontraktion der Muskelfasern ab. (Bei einseitigem Reiz auf der anderen Körperseite umgekehrt).

Diese Effekte sind am besten bei Säuglingen zu beobachten, weil bei ihnen das Reflexverhalten noch die Großhirnkontrolle überwiegt.

Wenn bei einer Massage der Angriffsort ständig verlagert wird, kann sowohl über Fremd- als über Eigenreflexe eine bessere Muskelfunktion erreicht werden.

(Quelle: Hoffa-Gocht, Storck: "Technik der Massage".)


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