Reziproke Hemmung

stefaneidelloth edited this page Dec 31, 2018 · 10 revisions

Oben wurde bereits beschrieben, dass die Ausgangssignale der Muskelspindeln so verschaltet sind, dass sie eine Kontraktion des Muskels bewirken, in dem sie sich befinden (Dehnungsreflex).

Die Ausgangssignale der Muskelspindeln sorgen auch dafür, dass die Kontraktion des Gegenmuskels gehemmt wird, so dass dieser nicht mehr zu einer Dehnung beitragen kann. Dieser Effekt wird als Reziproke Hemmung bezeichnet.

Ohne Reziproke Hemmung könnten beide Muskeln einer Muskelgruppe (unerwünscht) gleichzeitig kontrahieren und gegeneinander arbeiten.

Durch die Hemmung der Kontraktion des Antagonisten ist der Antagonist leichter zu dehnen während der Agonist kontrahiert.

Der Begriff der Reziproken Hemmung wurde 1906 von Sherrington eingeführt und in seinem Buch The Integrative Action of the Nervous System beschrieben. In Englischer Sprache wird meinstens reciprocal inhibition und manchmal auch "reflexive antagonism" verwendet. Da die Reziproke Hemmung ein zusätzliches Interneuron nutzt ("um das Vorzeichen des Signals umzudrehen") zählt sie zu den disynaptischen Reflexen. Siehe auch Unterschied zwischen Autogener und Reziproker Hemmung und Sherrington's law of reciprocal innervation.

Die Reziproke Hemmung wird manchmal zur Erklärung der Wirksamkeit von Techniken der Körperarbeit herangezogen, siehe auch Beeinflussung der Muskelspannung. Bei der "Nutzung" der Reziproken Hemmung werden immer ganze Muskelgruppen betrachtet. Über einen zugehörigen Beuger wird Einfluss auf den gewünschten Strecker ausgeübt (oder umgekehrt). Siehe dazu auch: https://www.youtube.com/watch?v=6h8aZ_MsLY8

Die reziproken Signale der Muskelspindeln und Golgi-Sehnenorgane lassen sich vielleicht auch für die Vorbereitung athletischer Bewegungen nutzen, z. B. wenn man besonders hoch springen oder weit werfen möchte. Siehe dazu auch: https://www.youtube.com/watch?v=jBCHYKjXq-Y

Welche (neurologischen) Effekte bei bestimmten Techniken tatsächlich für die Wirksamkeit verantwortlich sind ist allerdings oft umstritten.

Merke: Eine Erregung der Muskelspindeln wirkt auf den Gegenmuskel hemmend und führt dort tendenziell zu niedrigerer Muskelspannung!


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