Segmentale Wirkung

stefaneidelloth edited this page Jan 2, 2019 · 9 revisions

Die Nerven, die aus bestimmten Rückenmarksegmenten austreten, haben bestimmte Versorgungsgebiete im Körper. Im Bezug auf diese Versogungsgebiete oder Zonen ist zu beachten:

1. Die Nerven legen bei der Versorung von Gebieten in unterschiedlichen Tiefen unterschiedlich weite Wege zurück. Wenn man die Versorungsbereiche eines Nervenbündels für Muskeln und für die Haut auf die Körperoberfläche projeziert, ergeben sich unterschiedliche Zonen. Deshalb sind Muskelzonen (Myotome, MacKenzie-Zonen) von Hautzonen (Dermatome, Head-Zonen) zu unterscheiden.

2. Die Versorgungsgebiete werden von unterschiedlichen Autoren (z.B. Head vs. Hansen und Schliack) unterschiedlich beschrieben.

3. Die Versorgungsgebiete von Nervensträngen überlappen.

4. Bindegewebszonen können während einer Anwendungsfolge springen. Muschinski beschreibt z.B. mehrere Mechanismen, über die so ein Springen möglich ist. Im Rückenmark könnnen Signale, welche ein bestimmtes Segment erreichen, auf andere Segmente übertragen werden. Dadurch sind vielfältige Wechselwirkungen der Segmente und ihrer zugehörigen Versorungsgebiete denkbar. An den Enden der Wirbelsäule könnten evtl. "Signalstaus" auftreten. So liese sich erklären, dass der Schulter-Nackenbereich bzw. der untere Rücken häufiger Schmerzen aufweist, die teilweise durch andere Segmente in der Mitte des Rückens ausgelöst werden.

Bernd Muschinsky, Massagelehre in Therie und Praxis

Der Massagereiz, der auf eine bestimmte Zone einwirkt, beeinflusst auf kuti-vizeralem Wege das segmental dazugehörige Organ. Der Reiz kann aber auch von anderen Zonen aufgenommen werden und auf nervalem Wege an anderen Organen ungewollte Wirkungen hervorrufen.
...
Auch aus dieser Überlegung heraus bevorzugen wir die bindegewebige Ganzbehandlung, die wie wir nach Teirich-Leube modifiziert haben, um neben der Einflussnahme von bindegewebigen Zonen auf innere Organe - bei wechselnder Zonen-Lokalisation - auch eine allgemeine vegetative Einregulierung zu erreichen.
Freiwald, "Optimales Dehnen", 2013

Veränderungen der Galle wirken vielfach auf die Muskulatur und das Bindegewebe der rechten Schulter; Veränderungen des Darms auf die Hüftbeugemuskulatur. So kann schlechter Stuhlgang ("Verstopfung") zu scheinbar "verkürzten Hüftbeugemuskeln" führen.

Fazit:

Eine eindeutige Zuordnung ist nicht möglich. Die möglichen Wechselwirkungen zwischen Organen und Haut- bzw. Muskelzonen können also höchstens erste Indizien bei der Interpretation von Verspannungen geben.


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