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== Anhang A: Git's Mängel ==
Ein paar Git-Probleme habe ich bisher unter den Teppich gekehrt. Einige
lassen sich einfach mit Skripten und 'Hooks' lösen, andere erfordern eine
Reorganisation oder Neudefinition des gesamten Projekt und für die wenigen
verbleibenden Beeinträchtigungen kannst Du nur auf eine Lösung warten. Oder
noch besser, anpacken und mithelfen.
=== SHA1 Schwäche ===
Mit der Zeit entdecken Kryptographen immer mehr Schwächen an SHA1. Schon
heute wäre für finanzkräftige Unternehmen es technisch machbar,
Hash-Kollisionen zu finden. In ein paar Jahren hat vielleicht schon ein ganz
normaler Heim-PC ausreichend Rechenleistung, um ein Git 'Reopsitory'
unbemerkt zu korrumpieren.
Hoffentlich stellt Git auf eine bessere Hash Funktion um, bevor die
Forschung SHA1 komplett unnütz macht.
=== Microsoft Windows ===
Git unter Microsoft Windows kann frustrierend sein:
- http://cygwin.com/[Cygwin], eine Linux ähnliche Umgebung für Windows,
enthält http://cygwin.com/packages/git/[eine Windows Portierung von Git].
- http://code.google.com/p/msysgit/[Git unter MSys] ist eine Alternative,
die sehr wenig Laufzeitunterstützung erfordert, jedoch bedürfen einige
Kommandos noch einer Überarbeitung.
=== Dateien ohne Bezug ===
Wenn Dein Projekt sehr groß ist und viele Dateien enthält, die in keinem
direkten Bezug stehen, trotzdem aber häufig geändert werden, kann Git
nachteiliger sein als andere Systeme, weil es keine einzelnen Dateien
überwacht. Git überwacht immer das ganze Projekt, was normalerweise schon
von Vorteil ist.
Eine Lösung ist es, Dein Projekt in kleinere Stücke aufzuteilen, von denen
jedes nur die in Beziehung stehenden Dateien enthält. Benutze *git
submodule* wenn Du trotzdem alles in einem einzigen 'Repository' halten
willst.
=== Wer macht was? ===
Einige Versionsverwaltungssysteme zwingen Dich explizit, eine Datei auf
irgendeine Weise für die Bearbeitung zu kennzeichnen. Obwohl es extrem
lästig ist, wenn es die Kommunikation mit einem zentralen Server erfordert,
so hat es doch zwei Vorteile:
1. Unterschiede sind schnell gefunden, weil nur die markierten Dateien
untersucht werden müssen.
2. Jeder kann herausfinden wer sonst gerade an einer Datei arbeitet, indem
er beim zentralen Server anfragt, wer die Datei zum Bearbeiten markiert
hat.
Mit geeigneten Skripten kannst Du das auch mit Git hinkriegen. Das erfordert
aber die Mitarbeit der Programmierer, denn sie müssen die Skripte auch
aufrufen, wenn sie eine Datei bearbeiten.
=== Dateihistorie ===
Da Git die Änderungen über das gesamte Projekt aufzeichnet, erfordert die
Rekonstruktion des Verlaufs einer einzelnen Datei mehr Aufwand als in
Versionsverwaltungssystemen, die einzelne Dateien überwachen.
Die Nachteile sind üblicherweise gering und werden gern in Kauf genommen, da
andere Operationen dafür unglaublich effizient sind. Zum Beispiel ist `git
checkout` schneller als `cp -a`, und projektweite Unterschiede sind besser zu
komprimieren als eine Sammlung von Änderungen auf Dateibasis.
=== Der erster Klon ===
Einen Klon zu erstellen ist aufwendiger als in anderen
Versionsverwaltungssystemen, wenn ein längerer Verlauf existiert.
Der initiale Aufwand lohnt sich aber auf längere Sicht, da die meisten
zukünftigen Operationen dann schnell und offline erfolgen. Trotzdem gibt es
Situationen, in denen es besser ist, einen oberflächlichen Klon mit der
`--depth` Option zu erstellen. Das geht wesentlich schneller, aber der
resultierende Klon hat nur eingeschränkte Funktionalität.
=== Unbeständige Projekte ===
Git wurde geschrieben um schnell zu sein, im Hinblick auf die Größe der
Änderungen. Leute machen kleine Änderungen von Version zu Version. Ein
einzeiliger Bugfix hier, eine neue Funktion da, verbesserte Kommentare und
so weiter. Aber wenn sich Deine Dateien zwischen aufeinanderfolgenden
Versionen gravierend ändern, dann wird zwangsläufig mit jedem 'Commit' Dein
Verlauf um die Größe des gesamten Projekts wachsen.
Es gibt nichts, was irgendein Versionsverwaltungssystem dagegen machen kann,
aber der Standard Git Anwender leidet mehr darunter, weil normalerweise der
ganze Verlauf geklont wird.
Die Ursachen für die großen Unterschiede sollten ermittelt
werden. Vielleicht können Dateiformate geändert werden. Kleinere
Bearbeitungen sollten auch nur minimale Änderungen an so wenig Dateien wie
möglich bewirken.
Vielleicht ist eher eine Datenbank oder Sicherungs-/Archivierungslösung
gesucht, nicht ein Versionsverwaltungssystem. Ein Versionsverwaltungssystem
zum Beispiel ist eine ungeeignete Lösung um Fotos zu verwalten, die
periodisch von einer Webcam gemacht werden.
Wenn die Dateien sich tatsächlich konstant verändern, und sie wirklich
versioniert werden müssen, ist es eine Möglichkeit, Git in zentralisierter
Form zu verwenden. Jeder kann oberflächliche Klone erstellen, die nur wenig
oder gar nichts vom Verlauf des Projekts enthalten. Natürlich sind dann
viele Git Funktionen nicht verfügbar, und Änderungen müssen als 'Patches'
übermittelt werden. Das funktioniert wahrscheinlich ganz gut, wenn auch
unklar ist, warum jemand die Versionsgeschichte von wahnsinnig instabilen
Dateien braucht.
Ein anderes Beispiel ist ein Projekt, das von Firmware abhängig ist, welche
die Form einer großen Binärdatei annimmt. Der Verlauf der Firmware
interessiert den Anwender nicht und Änderungen lassen sich schlecht
komprimieren, so blähen Firmwarerevisionen die Größe des 'Repository'
unnötig auf.
In diesem Fall sollte der Quellcode der Firmware in einem Git 'Repository'
gehalten werden und die Binärdatei außerhalb des Projekts. Um das Leben zu
vereinfachen, könnte jemand ein Skript erstellen, das Git benutzt, um den
Quellcode zu klonen und 'rsync' oder einen oberflächlichen Klon für die
Firmware.
=== Globaler Zähler ===
Verschiedene Versionsverwaltungssysteme unterhalten einen Zähler, der mit
jedem 'Commit' erhöht wird. Git referenziert Änderungen anhand ihres
SHA1-Hash, was in vielen Fällen besser ist.
Aber einige Leute sind diesen Zähler gewöhnt. Zum Glück ist es einfach,
Skripte zu schreiben, sodass mit jedem Update das zentrale Git 'Repository'
einen Zähler erhöht. Vielleicht in Form eines 'Tags', der mit dem SHA1-Hash
des letzten 'Commit' verknüpft ist.
Jeder Klon könnte einen solchen Zähler bereitstellen, aber der wäre
vermutlich nutzlos, denn nur der Zähler des zentralen 'Repository' ist für
alle relevant.
=== Leere Unterverzeichnisse ===
Leere Unterverzeichnisse können nicht überwacht werden. Erstelle eine
Dummy-Datei, um dieses Problem zu umgehen.
Die aktuelle Implementierung von Git, weniger sein Design, ist
verantwortlich für diesen Pferdefuß. Mit etwas Glück, wenn Git's Verbreitung
zunimmt und mehr Anwender nach dieser Funktion verlangen, wird sie
vielleicht implementiert.
=== Initialer 'Commit' ===
Ein klischeehafter Computerwissenschaftler zählt von 0 statt von 1. Leider,
bezogen auf 'Commits', hält sich Git nicht an diese Konvention. Viele
Kommandos sind mürrisch vor dem intialen 'Commit'. Zusätzlich müssen
verschiedene Grenzfälle speziell behandelt werden, wie der 'Rebase' eines
'Branch' mit einem abweichenden initialen 'Commit'.
Git würde davon provitieren, einen Null-'Commit' zu definieren: sofort nach
dem Erstellen eines 'Repository' wird der 'HEAD' auf eine Zeichenfolge von
20 Null-Bytes gesetzt. Dieser spezielle 'Commit' repräsentiert einen leeren
'Tree', ohne Eltern, irgendwann vielleicht der Vorfahr aller Git
'Repositories'.
Würde dann zum Beispiel *git log* ausgeführt, würde der Anwender darüber
informiert, dass noch keine 'Commits' gemacht wurden, anstelle mit einem
fatalen Fehler zu beenden. Das gilt stellvertretend für andere
Anweisungen.
Jeder initiale 'Commit' ist dann stillschweigend ein Abkömmling dieses
Null-'Commits'.
Leider gibt es noch ein paar Problemfälle. Wenn mehrere 'Branches' mit
unterschiedlichen initialen 'Commits' zusammengeführt und dann ein 'Rebase'
gemacht wird, ist ein manuelles Eingreifen erforderlich.
=== Eigenarten der Anwendung ===
Für die 'Commits' A und B, hängt die Bedeutung der Ausdrücke "A..B" und
"A...B" davon ab, ob eine Anweisung zwei Endpunkte erwartet oder einen
Bereich. Siehe *git help diff* und *git help rev-parse*.